Radclub Münster e.V.

Radsport aus Leidenschaft

Le Tour Toujours – Mein Ausflug in die französischen Alpen und zur Tour de France

Von Valerie Fender im Juli 2013

Valerie Fender vor der Zielankunft in Alpe d´Huez, Foto: privat

Valerie Fender vor der Zielankunft in Alpe d´Huez, Foto: privat

Nachdem uns Ende Mai der plötzliche Wintereinbruch auf unserer Reise in die Dolomiten davon abhielt, dass geplante Kilometer-Pensum auch nur ansatzweise zu absolvieren, hatten wir den Plan gefasst, einen Teil dieses Versäumnisses nun im Juli in den französischen Alpen nachholen. Und was böte sich da besser an, als dieses Vorhaben mit einem Besuch bei der Tour de France – gerade zu deren 100. Geburtstag – zu verbinden?

Es stand schon von vorneherein fest, dass der sprichwörtliche wie topographische Höhepunkt einer solcher Reise nur in Alpe d’Huez liegen konnte. Dieser mythische Anstieg stand während der 18. Tour-Etappe für die Profis am Donnerstag gleich zweimal auf dem Programm und fasziniert mich schon seit ich als kleines Mädchen meine ersten Radsportübertragungen im Fernsehen gesehen habe. Als ich dann im Jahr 2011 das erste Mal eine Tour de France Etappe direkt in Alpe d’Huez miterleben konnte, war es endgültig um mich geschehen.
Die Aufgabe bestand somit darin, eine attraktive Reiseroute um diese besagte Tour de France-Etappe nach Alpe d’Huez zu kreieren, am besten noch mit der Möglichkeit, die Tour noch an anderen Stellen zu erleben – und das alles in der maximalen Dauer von einer Woche, da man ja leider auch nicht unbegrenzt viel Urlaub zur Verfügung hat.

So machten wir uns Dienstag Abend mit unseren Rennrädern Richtung Bahnhof auf und trafen nach einer etwa vierzehnstündigen Zugfahrt mit diversen Umstiegen tatsächlich planmäßig und pünktlich am Mittwochmorgen in Aix-les-Bains ein. Da man nach einer nächtlichen Bahnfahrt ja nicht so ganz leistungsfähig ist, führte uns die erste Etappe unserer Reise von dort zum lockeren Einrollen über ungefähr 80 weitestgehend flache Kilometer bei schönstem Sommerwetter nach Grenoble, das wir dann auch schon am Nachmittag erreichten. Unsere zeitige Ankunft entpuppte sich jedoch als großes Glück, da schon wenig später ein gewaltiges Gewitter über den Bergen aufzog, sodass wir den Abend gemütlich mit einer Flasche französischem Wein in unserem Hotel ausklingen ließen.

Am Tourstart in Annecy, Foto: privat

Am Tourstart in Annecy, Foto: privat

Am nächsten Morgen brachen wir dann früh nach einem den noch folgenden Aufgaben angemessen ausgiebigem Frühstück mit unseren Rädern zunächst auf den gut 50 Kilometer langen Weg nach Bourg-d’Oisans auf, wo wir uns noch einmal stärkten und dann schließlich zusammen mit Tausenden weiteren Radsportbegeisterten die legendären 21 Kehren im Anstieg nach Alpe d’Huez in Angriff nahmen. Die Strecke war bereits zu dieser frühen Uhrzeit bereits gesäumt von enthusiastischen Zuschauern, was einerseits störend war, da es an einigen Stellen der Straße so voll war, dass kaum ein Durchkommen durch die Menschenmassen zu finden war, sich die meiste Zeit jedoch eher als hilfreich erwies, da die oft fantasievoll gekleideten, fahneschwenkenden Fans (wobei gefühlt Niederländer, Norweger und Slowaken deutlich den Großteil ausmachten und ich nicht umhin kam, mich zu fragen, ob in diese nicht gerade bevölkerungsreichen Ländern zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch Menschen anzutreffen wären) mich erfolgreich von den Strapazen und Anstrengungen des Kletterns ablenkten.  So erreichte ich schließlich recht zufrieden und in einem doch etwas besseren Zustand als vor zwei Jahren nach gut 14 Kilometern mit einer durchschnittlichen Steigung von 7,9 % den 1850 Meter hohen Gipfel des Anstiegs. Nach dem obligatorischen Erinnerungsfoto fuhren wir dann erst einmal wieder ein Stück nach unten und suchten uns etwa drei Kilometer vor dem Etappenziel eine attraktive Stelle, von der man eine hervorragende Sicht auf die Strecke inklusive der beiden vorhergehenden Serpentinen hatte. Dort verfolgten wir dann schließlich das Profirennen und stellten insbesondere vor der zweiten Zielpassage fest, dass einige der Fahrer im Grupetto kaum mehr schneller fuhren als wir und sich teilweise sogar an den Teamfahrzeugen festhielten. Für eine zwar enthusiastische aber nicht übermäßig zügige Bergfahrerin wie mich ein ungemein tröstlicher Anblick!
Auf dem Rückweg  nach Grenoble hatten wir dann leider weniger Glück mit dem Wetter, diesmal erwischte uns das Gewitter mit heftigstem Platzregen vollends, allerdings war der Wind auch so stark, dass die Kleidung recht schnell wieder trocknete und da die Brise sogar von hinten kam und unserer Geschwindigkeit somit sehr zuträglich war, erreichten wir erfreulicherweise nach insgesamt fast 130 Kilometern schon gegen 21 h (zwei Jahre zuvor, waren wir erst gegen 23.30 h wieder da gewesen, was ohne Licht am Fahrrad und in einer fremden Stadt nicht so angenehm ist) wieder Grenoble.

Nach dieser Königsetappe stand dann am nächsten Tag erst einmal wieder etwas Erholung auf dem Programm. So ging es über etwa 90 nur leicht wellige aber landschaftlich durchaus ansprechende Kilometer zu unserem nächsten Etappenort Albertville. Die Herausforderung des Tages kam dann in Form des Anstieg zum zwar nur 907 Meter hohen Col de Tamié, der aber immerhin auch über 10 km lang war und eine Durchschnittssteigung von 5,7 %  aufwies. Dieser Berg war heute Teil der Tour de France Strecke, sodass wir hier die Gelegenheit hatten, dass Rennen ein weiteres Mal zu verfolgen bevor wir zu unserem Hotel zurück in den Ort fuhren. Da es abends am dritten Tag in Folge Gewitter mit Starkregen gab, waren leider auch dieses Mal die Möglichkeiten zur Abendgestaltung sehr eingeschränkt, aber immerhin war in direkter Nachbarschaft des Hotels ein Supermarkt, wo wir uns wieder stilecht mit regionalem Wein und Cidre versorgen konnten.

Unser dritter Besuch bei einer Tour de France Etappe führte uns dann am kommenden Morgen ins malerische Annecy. Nach fünfzig auch landschaftlich sehr sehenswerten Kilometern, die zum Teil auch am bekannten Urlaubsgebiet um den Lac d’Annecy vorbeiführten, trafen wir gerade rechtzeitig am Startort der heutigen Etappe ein um den Fahrern bei ihren Vorbereitungen auf das Rennen und einigen letzten Interviews zuzusehen. Nachdem die Profis sich dann auf den Weg gemacht hatten, brachen auch wir wieder mit unseren Rädern auf Richtung Semnoz. An diesem Berg, dem heutigen Zielort der Tour de France, konnten wir die Fahrer noch ein weiteres mal live erleben. Das Wetter zeigte sich mittlerweile von seiner sommerlichsten Seite, so dass der etwa 10 Kilometer lange Anstieg sich ziemlich schweißtreibend darstellte, daher hatten wir dann noch einmal die Gelegenheit, zusammen mit zahlreichen weiteren Radsportbegeisterten eine spannende Etappenankunft und echte Volksfeststimmung zu genießen, bevor wir wieder zurück nach Annecy in unser Hotel fuhren. Diesmal blieb auch das Wetter stabil, sodass wir bis tief in die Nacht draußen sitzen und die hervorragende französische Küche genießen konnten.

Am folgenden Tag neigte unsere Reise sich dann schließlich dem Ende zu. Bei weiteren hochsommerlichen Temperaturen ging es zurück nach Genf, wo uns noch genug Zeit blieb, ein wenig am Strand zu entspannen und uns im See abzukühlen, bevor wir abends in den Nachtzug stiegen und am nächsten morgen pünktlich und zufrieden nach einer durchweg gelungenen Reise wieder in Münster eintrafen.

Kommentare sind geschlossen.