Radclub Münster e.V.

Radsport aus Leidenschaft

BR2019 – Impressionen des Leidens

Am Anfang stand die Motivation. Burning Roads, ein must have? Was bringt einen dazu einen Marathon zu fahren? Der Spaß sich km lang zu quälen, ich weiß nicht was mich getrieben hat die Anmeldung abzuschicken, aber ich habe es Anfang des Jahres getan.
Am Samstag den 15.06., 220 km flach durchs Münsterland, morgens 08.00 Uhr an den Start, da waren die Langstreckler schon 3 Std. auf ihrem Weg 330km, wellig durchs Münsterland.
Mich persönlich beschleicht immer eine Form von Respekt, wenn ich an den Start gehe, so auch dieses Mal. Schaffe ich die Strecke im Zeitlimit? Wie wird das Wetter unterwegs? Fahre ich allein? Finde ich eine Gruppe?
Man wird sich finden dachte ich und los ging’s. Nun ja, jeder fährt sein Tempo und ich musste erkennen das die Gruppe, mit der ich unterwegs war kräftig in die Pedale trat, zu kräftig für mich. Ich ließ abreißen und sah mich 190 km allein im Wind fahren. Da plötzlich sprach mich eine Stimme an: „Bleib bei uns, da wirst du es gut haben!“ Leute die ich nicht kannte nehmen mich in ihre Gruppe auf und auf ging’s, vorbei an Wäldern Wiesen, man sprach über dies und das und schon war die erste Verpflegungsstelle erreicht.
Überall Rennräder, ein freundliches Wort hier ein Gruß da. Irgendwer kannte irgend wen aus dem Pulk der Pausierenden. Schnell den bekannten Streuselkuchen auf die Hand, Flaschen gefüllt und dann war Treffen zur Weiterfahrt. Man überholt einander und grüßt sich gegenseitig. Alle unterwegs auf Burning Roads. Immer ein banger Blick in die Wolken, Regen?
Das Tempo ist passend, jeder fährt vorne im Wind, der eine länger der andere kürzer, kein böses Wort wenn einer nur 1 km vorne ist und ein anderer 5 km, warum auch. Wir fahren zusammen und das Ziel ist der Weg.
Nach der nächsten Biegung ist das Mittagessen erreicht, es gibt Nudeln und Salat. Man trifft die Jungs aus dem Verein die morgens los sind. Man schnackt kurz ein paar Worte und wünscht sich gegenseitig noch eine gute Fahrt, jeder respektiert die Leistung eines anderen. Geschwindigkeit ist keine Hexerei, sondern eine Frage des Trainings. Kurz das Glas leer getrunken und auf geht’s, den Wolken entgegen.
Wieder durch Wälder vorbei an Kühen und Wiesen, man genießt die Landschaft, die Strecke und hat das Ziel vor Augen. Erstes Schwächeln ist bei dem ein oder anderen erkennbar, vorne nimmt man raus, man möchte zusammen ankommen. Regen setzt ein, Kurven werden langsamer angefahren, irgendwer passt immer auf das alles glatt läuft.

Foto: Kai Zimmermann

Wie es wohl anderen auf der Langstrecke ergeht? Ob sie auch merken das 330 km lang sein können? Oder kommt es nur mir so vor? Blick aufs Garmin, ist es noch weit? Ortsschilder kommen und gehen, aber nirgendwo liest man Ochtrup. Gegenseitig ein Aufmuntern, bald sind wir da und gemeinsam rollen wir ins Ziel.
Was macht Burning Roads aus? Es ist ein Miteinander, jeder freut sich im Ziel angekommen zu sein.
Man sieht nur lachende glückliche Gesichter, egal ob kurze oder lange Stecke. Zufriedenheit allerorts über die eigene Leistung und Anerkennen der anderen Leistung. Es ist das Flair dieser kleinen feinen Veranstaltung, die ihren Charme hat.
Ob ich wieder fahren werde? Ja! Und ich bin bestimmt nicht der einzige Wiederholungstäter. Die Straße brennt jedes Jahr, man muss es erleben um es zu verstehen.

Gruß Kai

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