Radclub Münster e.V.

Radsport aus Leidenschaft

Burning Roads 2019 – 334 km

211 Kilometer – die standen bisher als längste Tour in meiner Radsport-Vita. Diese führten einige RC Mitglieder und mich zum Möhnesee und zurück und das war nicht einmal zwei Wochen her. Jetzt sollte es dann ein „richtiger“ Radmarathon werden – Burning Roads in Ochtrup. Laut GPS Track beängstigende 334 Kilometer und 3718 Höhenmeter.
Je näher der Starttermin rückte, um so unruhiger wurde ich, und stellte mir immer wieder die Frage, ob ich diese Tour durchstehen könnte. Sicher, ich war gut im Soll, hatte bereits fast 7000km, etliche 100er und 150er Kilometertouren in den Beinen, aber 330 Kilometer am Stück? – Davor hatte ich doch mehr als nur Respekt. Die Wetteraussichten für den 15.06. waren leider auch sehr schwankend, kündigten aber leider auch Regen und viel Wind an.
Nach einer regnerischen, unruhigen Nacht, die das Kopfkino ordentlich auf Touren brachte, war es dann endlich soweit. Um 03:05 Uhr klingelte der Wecker, schnell etwas frühstücken, in die bereitgelegten Radsportsachen schlüpfen und schon stand Michael O. vom RC vor der Tür, um mich mit nach Ochtrup zu nehmen.

Foto: Jens van der Wurp

Vor dem Start legte sich dann meine Aufregung tatsächlich doch noch, vor allem deshalb, weil ich mit vielen bekannten und Marathon erfahrenen RC Gesichtern starten durfte, so gingen neben Michael O. auch Jan S. und Jens W. gemeinsam mit mir an den Start. An der Realschule angekommen, ging es in die Turnhalle, um dort die Startnummern abzuholen. Anschließend noch gemütlich einen Kaffee trinken und dann sollte es losgehen. Doch dann der erste Schock: Mein Navi, ich hatte es, trotz vermeintlich sorgfältiger Vorbereitung, zu Hause am Ladegerät liegen lassen. Schon kehrte die Nervosität zurück, wie sollte ich meine Kräfte einteilen können, ohne dabei auf die von mir im Training stets genutzten Daten zurückgreifen zu können? Nicht einmal den Kilometerstand oder die Uhrzeit standen mir zur

Verfügung. Zumindest an das Smartphone hatte ich gedacht, so dass ich dort die Streckenaufzeichnung via Strava APP starten konnte. Doch musste ich befürchteten, dass der Akku bei so einer langen Tour nicht durchhält (Er hat gehalten ). Dann war aber keine Zeit mehr, mit der eigenen Vergesslichkeit zu hadern. Thorsten Stening, Organisator von Burning Roads, schickte uns auf die Strecke und in der aufkommenden Dämmerung ging es auf nassen Straßen los in Richtung Teuto.

Foto: Jens van der Wurp

Wie das beim Start so ist, so fand sich schnell eine große Truppe zusammen, die, laut Aussage meiner Mitfahrer, mit einem Schnitt etwas über 30 in den ersten Anstieg bei Riesenbeck fuhr. Dabei war es vor allem unsere RC Truppe, die für die Führungsarbeit sorgte. Doch kaum war die erste Rampe zu nehmen, so zerlegte sich das Feld. In unserer Truppe wurde auch auf das letzte RC Mitglied gewartet und so ging es zusammen weiter. Weiterhin hatte ich einen gehörigen Respekt vor der Distanz und vor allem, vor dem starken Wind, der uns am Nachmittag auf der Rückfahrt ins Gesicht pusten würde. So hieß es also weiter, die Kräfte gut einzuteilen und zu hoffen, dass es trocken bleiben würde. Je weiter wir in Richtung Bad Rothenfelde, der Mittagspausenstation, kamen, desto mehr schwanden die Kräfte in unserer Truppe. Auch ich merkte so langsam die kurze Nacht sowie die ersten 197km und fiel somit unmittelbar vor der Mittagspause in ein kleines Loch.
Nachdem wir uns dann erfolgreich am leckeren Nudelbuffet auslassen konnten, füllten wir unsere Flaschen wieder auf und trafen noch weitere RC Mitglieder. Neben Markus L., der ebenfalls auf der 330km Runde unterwegs war, kamen dann auch passend Alex R. und Mathijs, die die 220er Runde absolvierten, zum Mittagsbuffet.

Nach einem kurzen Erfahrungsaustausch ging es dann weiter auf die anspruchsvollen nächsten 70km, die gespickt waren mit vielen, aber bekannten Höhenmetern, so etwa dem Lienener Berg. Die Akkus waren wieder voll, doch schon bald zeigten sich dicke, schwarze Wolken am Himmel, die sich leider auch schon bald über uns öffneten. Die mitgenommen Regenjacken halfen leider nicht weiter, so dass wir uns kurzer Hand an einer Scheune unterstellten und den Regen abwarteten. Zu diesem Zeitpunkt war unsere Gruppe leider schon auf sechs Leute geschrumpft. Nachdem sich dann die Himmelstore einigermaßen geschlossen hielten, fuhren wir weiter und kletterten u.a. über den Großen Freeden, den Lienener Berg, den Kleeberg und schließlich rauf nach Tecklenburg, wobei sich uns auch aufgrund des Regens unglaublich malerische Landschaften zeigten. Ich muss gestehen, dass dies genau mein Terrain ist und ich entsprechend hier am wenigsten Sorge hatte, durchzukommen. Doch nach dem morgendlichen Blick auf den Wetterbericht, bereitete mir der nun auch aufkommende starke Westwind noch ein starkes Unbehagen.

Foto: Jens van der Wurp

Nachdem wir also Tecklenburg passiert hatten, konnten wir uns noch einmal an einer Verpflegungsstation stärken, ehe wir uns dem Wind stellen mussten. Allerdings hatten die Höhenmeter bei einigen meiner Mitfahrer Spuren hinterlassen, so dass die Führungsarbeit immer schwerer wurde. Meine Beine fühlten sich noch ganz gut an, so dass ich versuchte, viel im Wind zu fahren. Ohne Kilometeranzeige war ich aber weiter darauf angewiesen, in meinen Körper hineinzuhören und blieb dabei gleichzeitig orientierungslos. Mehr oder weniger zu zweit zogen wir jetzt unsere Gruppe immer weiter im Wind Richtung Ochtrup.

Saerbeck, Hembergen, Emsdetten, Burgsteinfurt – kein Problem, die Beine spielen mit und dann kam es doch noch anders. Als wir Burgsteinfurt passierten und ich das Schild „Ochtrup 13 km“ sah, kam dann der Mann mit dem Hammer. Plötzlich empfand ich 13km als eine irrsinnige Herausforderung, lieber einen weiteren steilen Anstieg als weiter im Wind zu fahren, dachte ich bei mir. Demoralisiert musste ich mich nun auch hinten einsortieren und mich ins Ziel ziehen lassen. Das nächste Schild wurde passiert: 7 km, puh, gefühlt immer noch ewig weit entfernt, dann die 5000 Meter Marke. Noch einmal motivierende Worte von Jens W., ohne dessen Erfahrungsschatz ich vermutlich längst überzogen hätte, und dann kamen wir mit großem Beifall der dort anwesenden Helfer und Radfahrer wieder an der Realschule in Ochtrup an – geschafft. Wahnsinn, Erleichterung, Freude pur und dann die Gewissheit: nächstes Jahr komme ich wieder!

Autor: Jens van der Wurp

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