Radclub Münster e.V.

Radsport aus Leidenschaft

Lüttich – Bastogne – Lüttich „La Doyenne“ (Die Älteste) über 273 Kilometer

11. Mai 2017 von Karl-Heinz Althues

von unserem Clubmitglied Matthias Grothues

Matthias im Anstieg auf einen Cotes, Foto: Sportograf

Lüttich-Bastogne-Lüttich, auch „La Doyenne“ (Die Älteste) genannt, gilt aufgrund seines sehr welligen Profils durch die wallonischen Ardennen als einer der schwierigsten Eintages-Klassikers im Radsport. Nicht nur die Profis fahren diesen Klassiker, es wird auch eine Challange für Nicht-Profis angeboten.
Erst war es nur eine fixe Idee, aber schon bald war der Entschluss gefasst: Ich bin dabei….
„Am Vortag der Challenge kam ich bei einigermaßen gutem Wetter in Lüttich an und fuhr direkt zur Registrierung nach Halles des Foires de Liège. Relativ schnell war mir klar, hier sind Profis am Werk, keine langen Warteschlagen, alles lief sehr geordnet und professionell ab. Kurze Zeit später war ich bereits auf dem Weg zum Hotel – dort angekommen noch fix das Material und die Wetteraussichten gecheckt, die allerdings für den Samstag nicht sonderlich gut aussahen.
Nach einer unruhigen Nacht machte ich mich nach dem Frühstück voller Vorfreude auf den Weg zum Start. Auch hier wieder war die gute Organisation zu spüren. Punkt 06:30 Uhr erfolgte der Start und für mich begann, wie für viele hunderte von Bikern, die Challenge. Ich hatte mich für die Langdistanz von 273km und 5000hm entschieden. Die ersten Kilometer plätscherten vor sich hin als es plötzlich anfing zu regnen. Relativ schnell war ich durchnässt und hätte mir meine Langhandschuhe und meine Überschuhe gewünscht, die waren allerdings im Koffer verstaut. Ich fuhr in einer 20-30 köpfigen Gruppe mit, die gut harmonierte. Wir haben andere Gruppen überholt, wurden aber auch von anderen überholt. Mäßiger Gegenwind und beständig leichter Regen waren unsere ständigen Begleiter. Nach 112 relativ leichten Kilometern war Bastogne und somit die Kehrtwende erreicht.

Matthias, im grün-schwarzen Dress, bei einem weiteren Cotes-Anstieg, Foto: Sportograf

Die Hellingen waren bis zu diesem Zeitpunkt sehr angenehm zu drücken, alles noch im einstelligen Steigungsbereich. Doch das sollte sich schon bald ändern…. Inzwischen war ich wieder trocken und es ging mit Rückenwind Richtung Norden. Der Geist schöpfte neue Kraft und gab den Beinen Schub. Der erste Côte kam nach 130km – bei den Côtes handelt es sich um 1 bis 4,5km lange Rampen mit Steigungen bis zu 20%. Diese fiesen Rampen machten mich echt fertig, da war nicht mehr die Rede von „Teerblasen“. Die jetzt folgenden 143km beinhalteten 8 dieser Côtes. Trotz der fünf feeding Zones mit reichhaltigen belgischen Köstlichkeiten und immer wieder einsetzender Regen war nach 180km ein mentales und körperliches Tief erreicht. Fortan hieß es kämpfen und positiv denken, aber wenn ich nach rechts und links schaute, sah ich, anderen ging es weitaus schlechter als mir. Die Abfahrten ließen meinen entkräfteten und nassen Körper vor Kälte bibbern. Nach dem Côtes de La Redoute bei Km 226 ließ sich die Sonne blicken und mir wurde einigermaßen warm. Die Strecke war jetzt voll mit den anderen Fahrern der Kurz- und Mitteldistanz. Das Ziel war nicht mehr fern und die Kraft kam mit der Wärme zurück. An den Anstiegen wurden wir von campierenden Fans aus aller Welt angefeuert. Die letzten zwei Côtes wurden noch einmal mit ordentlichem Druck gefahren und selbst das unangenehme belgische Kopfsteinpflaster auf dem Weg zum Zielort tat nicht mal mehr weh. Nach 10 Stunden 25 Minuten kam ich unfallfrei und glücklich im Ziel an und klatschte mit meinen Mitstreitern ab. Nachdem das Rad verladen war, ging es zurück ins Hotel, wo die heiße Dusche bereits wartete.
Trotz des durchwachsenen Wetters ist dieser belgische Klassiker absolut empfehlenswert. Lüttich-Bastogne-Lüttich war das bis jetzt härteste Langstrecken Rennen, neben dem Rhön-Radmarathon, das ich gefahren bin.
Als neues Ziel habe ich mir die Flandern-Rundfahrt („De ronde van Vlaanderen“) auf die Fahne geschrieben….mal sehen.

Die Insel des ewigen Frühlings ist anspruchsvoll

6. November 2016 von Michael Sandner

Auf dem Adlerpass | Foto: Michael Sandner

Auf dem Adlerpass | Foto: Michael Sandner

Mit dem Rennradreiseanbieter Bike4passion geht es für mich zum ersten Mal nach Gran Canaria.

Sonne, im Schnitt 25 Grad und eine einmalige Landschaft, das macht den Reiz der kanarischen Insel im Herbst aus.

Belebte Küstenstraßen mit Ausblick auf den blauschimmernden Atlantik wechseln sich ab mit einsamen schmalen Straßen, die sich ins Landesinnere und in die Berge schlängeln.

Die drittgrößte der kanarischen Inseln ist anspruchsvoll für Rennradler, die Steigungen sind happig. Nur mit einigen Grundlagenkilometern in den Beinen, ist die Vulkaninsel empfehlenswert.

Gran Canaria hat die Topographie eines Kegels: fast kreisrund und zur Mitte hin ansteigend.
Dabei bietet das Gebirgsmassiv in der Mitte der Insel mit seinem 1.949 m hohen Pico de las Nieves hochalpine Radsportmöglichkeiten mit bis zu 15 Prozent Steigungen.

Entlang des Tauropasses | Foto: Michael Sandner

Entlang des Tauropasses | Foto: Michael Sandner

Das Landesinnere ist besonders reizvoll. Idyllische Bergdörfer, üppige Vegetation, bizarre Felsformationen und fruchtbare Täler lassen sich auf unseren Rennradtouren erkunden.

Bike4passion Guide Tom kennt die Touren aus dem „Effeff“ und führt unsere Gruppe routiniert als Septett aus Deutschen, Schweizern und Österreichern durch die Passlandschaft. Aber auch die Wellen der Küstenstraßen sind nicht zu verachten, schon gar nicht bei Gegenwind. Auf Gran Canaria heißt es „die Körner gut einzuteilen“.

6700 Höhenmeter und 345 Kilometer stehen nach fünf geführten Touren auf dem Tacho.

 

Die Etappen im Überblick:

15prozentige Steigung | Foto: Tom Dewald

15prozentige Steigung | Foto: Tom Dewald

Etappe 1:
Arguineguin –Soria – Maspalomas (68km/1.100hm)
Am Meer entlang in das Hinterland die ansteigende Straße Richtung Soria hinauf. Am Ende des Tals liegt ein 7km langer Anstieg.

Etappe 2:
Fataga – San Bartolomé – Santa Lucia (77km / 1.650hm)
Durch das wunderschöne Barranco de Fataga in die schroffe Felslandschaft Gran Canarias mit den Bergdörfern San Bartolomé und Santa Lucia.

Schroffe Felslandschaft in Gran Canaria | Foto: Michael Sandner

Schroffe Felslandschaft in Gran Canaria | Foto: Michael Sandner

Etappe 3:
Puerto Mogán – Tauro Pass (81km/1.650hm)
Entlang der welligen Küstenstraße zum malerischen Fischerdorf Puerto de Mogan. Über die zunehmend kleiner und enger werdende Serpentinenstraße des 11km langen Tauropasses mit anschließender Abfahrt über Soria hinunter zum Meer .

Etappe 4:
Agüimes – Santa Lucia – San Bartolomé – Fataga (86km / 1.800hm)
Durch die schroffe Bergwelt der Insel entlang wunderschöner Bergdörfer. Die großartige Abfahrt durch das canyonartige Barranco de Fataga ruft.

Ein Teil des Septetts in Soria | Foto: Tom Dewald

Ein Teil des Septetts in Soria | Foto: Tom Dewald

Etappe 5:
Ayagaures (30km / 500hm)
Durch das wunderschöne Schilftal nach Ayagaures und hinauf zum „Adlerpass“.

„Hänsel und Grimsel“ – Märchenhaftes Panorama und Wetter beim Alpenbrevet 2016:

31. August 2016 von Karl-Heinz Althues

von Steffi Djalek, Wolfgang Helbig und Jens Weiß

Alpenpässe satt gab es auch dieses Jahr wieder beim Alpenbrevet:
Die Frage an jeden Teilnehmer lautete: Wie viele dürfen es denn heute sein?
Noch nach dem Start morgens um 06:45 Uhr im beschaulichen Ort Meiringen in der Schweiz konnten sich die ca. 2.500 Teilnehmer entscheiden, ob Sie 2,3,4 oder gar 5 knackige Alpenpässe fahren wollten.
Das Alpenbrevet ähnelt unseren RTFs – ins Ziel kommen und der Genuß der Tour stehen im Vordergrund – es gibt keine Siegerehrung.

Am Start in Meiringen, v.l. Jürgen, Wolfgang, Steffi

Am Start in Meiringen, v.l. Jürgen, Wolfgang, Steffi

3 RCler und ein assoziiertes RC-Mitglied hatten den hochalpinen Leckerbissen im Kalender fest gebucht: Jürgen als absoluter Neuling im Rad-alpinen Gelände wagte sich an die Bronze-Tour mit 2 Pässen (68km + 2.381Hm); Steffi und Wolfgang suchten die Herausforderung in Form der Gold-Tour mit 4 Pässen (172km + 5.294Hm) und Jens hatte sich – nach 8 Monaten intensiver Vorbereitung auf diesen Tag – die Königin der Schweizer Alpen – die Platin-Tour mit 5 Pässen (276km + 7.031Hm) für seine Radsport-Vita vorgenommen.
Beim Abholen der Startunterlagen in Meiringen gab es ein Wiedersehen mit den “ Swan-Racers“ aus Schwanfeld – Steffis heimatnahem Zweitverein: Bene, Max und Simon.
Bei Pasta-Party im Festzelt ließen RCler und Swan-Racer den Freitagabend früh ausklingen.
Bei der Startaufstellung am nächsten Morgen um 06:45 Uhr sortierten sich Steffi, Jürgen und Wolfgang bei 16-18 km/h ein, Jens bei 20-22km/h, der notwendigen Durchschnittsgeschwindigkeit für ein erfolgreiches Gelingen der Platin-Tour. Bereits um diese Uhrzeit herrschten angenehme Temperaturen.

Grimselpasshöhe

Grimselpasshöhe

Im größeren Pulk führte die Strecke für alle Fahrer über den ersten Hügel nach Innertkirchen und danach hoch auf den Grimselpass. Bereits nach ein paar Kilometern im Anstieg des Grimselpasses hatte jeder sein für ihn passendes „körnersparendes“ Tempo gefunden – Jürgen hatte mit der Bronze-Tour am meisten Zeit – nicht nur zum Radeln, sondern auch für super Fotos von der atemberaubenden Landschaft, die die Fahrer auf allen Touren ständig begleitete.
Bei der ersten Verpflegung auf dem Grimselpass entschädigten das spektakuläre Alpenpanorama mit den zahlreichen schneebedeckten 3.000ern und den Schweizer Biberli (das sind keine Verwandte der Murmeltiere, sondern sehr leckere Mandel-Lebkuchen, die ein wenig an Weihnachtsgebäck erinnern).
Schon nach kurzer und rauschend schöner Abfahrt ging es dann direkt in den nächsten Anstieg – hinauf zum Nufenenpass, mit 2478m der höchste Punkt des Alpenbrevets.

Auf dem Nufenpass

Auf dem Nufenpass

Mit 11km ist der Nufenenpass zwar kürzer als der Grimselpass – allerdings musste der Nufenen bei schon deutlich wärmeren Temperaturen und mit deutlich höherer Durchschnittssteigung bezwungen werden.
Nach der Verpflegung auf dem Nufenen folgte die lange Genuss-Abfahrt nach Airolo.

Hier trennten sich die Wege von Gold- und Platin-Tour:

Gold: Für die Gold-Fahrer Steffi und Wolfgang ging die Fahrt nach einer weiteren Stärkung mit Biberli und Schweizer Schokolade weiter zum Gotthard. Hier wartet nach einigen km die „Tremola“, die 5 Kilometer lange historische Kopfsteinpflasterpassage auf die Fahrer. Diese war wider Erwarten gut zu fahren – lediglich kurz vor der Passhöhe war der Asphalt eine sehr willkommene Erleichterung für Füße und Rücken. Belohnt wurde die Kletterei wiederum mit einer langen rasanten Abfahrt nach Andermatt.

Platin: DER KÖNIGIN GEHULDIGT! Zur Bezwingung der Königin unter den Radsport-Veranstaltungen in den Schweizer Alpen, der Platin-Tour, musste Jens besonnen fahren – bei der zu erwartenden großen Hitze in Richtung italienische Schweiz war Kopfrechnen angesagt zwischen dem richtigen Tempo und den gesetzten Zeitlimits an den Meßstationen. Nach der Streckenteilung in Airolo formierte sich eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Dänen, Niederländern, Schweizern und Deutschen, die sich Richtung Süden nach Biasca vorarbeitete, wo dann schon Palmen die Straßenränder zierten. Und die Hitze kam, jetzt 33° und es ging in den über vierzig Km langen 3. Anstieg der Platin-Tour – den Lukmanier. Durch wunderschöne kleine Orte und mittlerweile 37°, schlängelte sich die Straße zum Pass auf über 2000m Höhe. Brunnen mit kristallklarem Wasser waren die willkommenen Treffpunkte auf dem Weg nach oben. Über den Pass mit dortiger Verpflegungsstation folgte die Traumabfahrt nach Disentis um dann den 4. Pass – den Oberalpass zwischen Sedrun und Andermatt zu überwinden. Es war nicht mehr so heiß und der hier bei RR-Fahrern gefürchtete Samstagnachmittag – Gegenwind war nur ein laues Lüftchen, so dass man den Pass etwas ruhiger kurbeln konnte. Von der Höhe eröffnet sich einem ein atemberaubender Blick runter ins Tal auf das beschauliche Andermatt und man musste höllisch aufpassen, um in der Abfahrt nicht immer seinen Blick abschweifen zu lassen.
Egal ob Silber, Gold oder Platin – der Sustenpass – legendär, gefürchtet, geliebt, gehasst – war für alle Fahrer der Abschlusspass – und der hatte es in sich. Nachdem schon die letzten Berge mental in „x-mal Schwanberg“ (Steffis Hausberg in Volkach) eingeteilt worden waren, stehen einem im Sustenpass 9xSchwanberg, d.h. 18km Anstieg bevor. Der wurde aufgrund des bisher gefahrenen Pensums, der Temperaturen und des nicht enden wollenden, geraden Anstiegs noch einmal zur Herausforderung für alle.

Gotthardt Passhöhe

Gotthardt Passhöhe

Dann endlich: Der Sustenpass mit 2224m war bezwungen – hier wurde für die letzten gut 30km nochmal „aufgetankt“, die zum Glück hauptsächlich aus abfahren bestanden. Die allerletzten Körner wurden am Aufstieg der Aareschlucht (90Hm), dem letzten kurzen Gegenanstieg kurz vor dem Ziel verbrannt. Bei der Einfahrt ins Ziel waren alle stolz wie Hulle – gleich ob Bronze, Silber, Gold oder Platin. Das Brevet hatte jeden gefordert und mit einem Rausch an Freude belohnt.
Nachdem die Bronze- und Gold-Fahrer bereits im Ziel waren kam kurz nach Einbruch der Dunkelheit die erlösende Nachricht von Jens, dass er seine Tour geschafft hatte: Platin! Ebenso hatten die Swan Racer Max&Simon mit Platin und Bene&Hauke mit Gold gefinished!
Jürgen erreichte seine Bronze-Urkunde in 06h 33min;
die 5.300Hm der Gold-Tour wurden von Steffi und Wolfgang in 10h 36min gemeistert.
Jens benötigte für seine 7.000Hm 13h 49min.
Mit der Abholung der Finisher-Urkunden und der Finisher-Geschenke war der anstrengende Teil des Tages nun geschafft.
Bei einem heftigen, aber angenehm kühlenden Gewitter wurden abschließend die wohlverdienten Sieges-Zigarren bei Jens & Wolfgang auf der Terrasse genossen.

Fazit: Ein perfekter Tag – einstimmig wurde diese Tour als „Beste Tour Ever“ eingestuft – wahnsinnig anstrengend aber auch genauso wahnsinnig schön –Die Tour ist jeden Km und jeden Hm wert gewesen, um die lange Anfahrt aus Münster auf sich zu nehmen. Zudem wurden wir mit bestem Wetter belohnt und wieder mal war klar – im Team macht so eine Reise doppelt so viel Spaß: Irgendwer hatte immer aufmunterte Worte, wenn sich das ein oder andere Motivationstief im Berg anschlich.
Sehr sehr wahrscheinlich, dass alle zu Wiederholungstätern werden…

Auf den Spuren der Vuelta

23. März 2016 von Michael Sandner

Typisch andalusisch: Ojén | Foto: M. Sandner

Typisch andalusisch: Ojén | Foto: M. Sandner

Wunderschöne weiß getünchte Dörfer, Café con leche und ein Hauch der Vuelta Passagen. Andalusien hat mich wieder.
Die Herbsttour 2015 nach Almería, Andalusien, machte Appetit auf mehr. Aufgrund der milden Temperaturen und wenigen Regentage im Winter und Herbst ist Andalusien ein Eldorado für Rennradler.

Andalusien ist reich an Kontrasten. Attraktive Küstenabschnitte, schroffe Pässe, traumhafte Passagen im Hinterland.
Nach der Landung in Málaga holt mich ein Taxi ab und bringt mich zum Hotel Alhaurín Golf Resort. Die Stadt Alhaurín el Grande, 40 Autominuten von Málaga entfernt, heißt diesmal das Ziel.

Das vorgelagerte 4 Sterne Hotel bietet als Standort unzählige Möglichkeiten für attraktive Rennradtouren.
Weite Teile Andalusiens sind hügelig oder gebirgig. Ebene Streckenabschnitte durch Täler gibt es nur selten. Insofern heißen bergig und anspruchsvoll ab jetzt die Adjektive für eine Woche Rennradurlaub.

Wunderschöne Serpentinenstrecken | Foto: M. Sandner

Wunderschöne Serpentinenstrecken | Foto: M. Sandner

Dietmar Häbe, Inhaber von Velo Andaluz, erwartet mich bereits. Mein Rad wird schnell angepasst und zusammen mit Dietmar bespreche ich den Wochenverlauf. Nachdem ich mir im Radraum an der Pinnwand verschiedene Strecken angeschaut habe, begebe ich mich sogleich auf eine kurze Einrollrunde von rund 50 Kilometern. Die ersten zweistelligen Steigungen sind schon deutlich zu spüren.

Am zweiten Tag folgt noch eine Tour, die ich alleine bewältige, weil noch nicht alle Mitreisenden eingetroffen sind. Ich mache mich auf den Weg nach Ojén, einem pittoresken kleinen Ort, mit einer tollen Serpentinenstrecke. Leider muß ich diese Tour vorzeitig abbrechen, da mein linkes Kniegelenk extrem schmerzt. An eine längere Tour ist nicht zu denken.

Die erste geführte Tour mit unseren Guides Dietmar und Rainer steht am Montag an. Alle mitreisenden Rennradler sind nun angekommen. Wir starten mit einem Tross von 20 Rennradbegeisterten Richtung Tolox. In Tolox fahren wir den Camino Nuevo. Die als „Neuer Weg“ bezeichnete Passage ist eher etwas für geübte Mountainbiker…. Der Straßenbelag eine Katastrophe. Zum Glück haben wir nur einen Plattfuß bei diesem Streckenabschnitt.
Unsere leeren Kohlenhydratspeicher füllen wir unterwegs in kleinen Tapasbars.

Wasserspeicherruine von Alhaurín el Grande | Foto: M. Sandner

Wasserspeicherruine von Alhaurín el Grande | Foto: M. Sandner

Zu sechst begeben wir uns bei der zweiten geführten Tour mit Guide Rainer Richtung Casarabonela und El Burgo. Wir meistern verkehrsarme, wunderschöne Pässe und genießen die Landschaftsausblicke.

Der Ruhetag am Mittwoch kommt mir entgegen. Meine Kniegelenksbeschwerden sehnen sich nach einer Pause. Ich verbringe den Tag in Alhaurín el Grande und erkunde zu Fuß die Stadt.

Die Königsetappe bewerkstelligen wir bei der fünften Ausfahrt. Guide Rainer führt uns zu sechst Richtung El Chorro. Dort fand 2015 eine der Vuelta Etappen statt. Der Straßenbelag ist perfekt. Wir fahren kilometerweit an eindrucksvollen, türkisfarbenen Stauseen und wunderschönen Schluchten vorbei. Ein grandioses Farbenspiel in der Landschaft Andalusiens. Wir passieren den beeindruckenden Klettersteig Caminito del Rey. Er galt lange als gefährlichster Weg der Welt.

Die Stauseen Embalse del Conde de Guadalhorce | Foto: M. Sandner

Die Stauseen Embalse del Conde de Guadalhorce | Foto: M. Sandner

Die letzte geführte Tour absolviere ich mit Guide Rainer zu zweit Richtung Ojén. Wir genießen die knackigen Anstiege und rasanten Abfahrten.
Die Touren im Überblick:

  • Tag 1: Ankunft, Einrollrunde: Alhaurín el Grande, Alhaurín de la Torre, Alhaurín el Grande, 50 km, 700 HM
  • Tag 2: Alhaurín el Grande, Monda, Ojén, Alhaurín el Grande, 55 km, 850 HM
  • Tag 3: Alhaurín el Grande, Monda, Guaro, Tolox, Coin, Alhaurín el Grande, 85 km, 1300 HM
  • Tag 4: Alhaurín el Grande, Villafranco dell Guadalhorce, Pizarra, Casarabonela, El Burgo, Jorox, Alozaina, Coin, Alhaurín el Grande, 110 km, 2100 HM
  • Tag 5: Ruhetag
  • Tag 6: Alhaurín el Grande, Villafranco dell Guadalhorce, Pizarra, Valle de Abdalajis, El Chorro, Álora Pizarra, Alhaurín el Grande, 120 km, 1800 HM
  • Tag 7: Alhaurín el Grande, Ojén, Monda, Guaro, Coin, Alhaurín el Grande, 75 km, 1300 HM
  • Tag 8: Abfahrt

Der Straßenbelag ist recht unterschiedlich – mal rollt man über glatten Asphalt, dann gibt es aber häufig Streckenabschnitte mit Rissen und Schlaglöchern.

9 Grad auf dem Pass | Foto: M: Sandner

9 Grad auf dem Pass | Foto: M. Sandner

Trotz der angenehmen Temperaturen zwischen 17 und 19 Grad fahren wir in der Regel mit einer ¾ Hose und langem Trikot plus Windweste. Die Anstiege sind zwar schweißtreibend, der Wind aber bei den Abfahrten oder auf den Pässen sehr kühl. Und nicht selten kommt der Wind von vorne. Ohne passablen Trainingszustand sind die anspruchsvollen Touren nicht zu empfehlen.

Die Spanier sind selbst sehr radsportbegeistert, was sich einer rücksichtsvollen Fahrweise gegenüber Radfahrern bemerkbar macht.

Rund 8000 Höhenmeter und eine Gesamtkilometerstrecke von rund 500 Kilometern stehen nach sechs Fahrtagen auf dem Tacho. Ich wäre in der Woche gerne noch mehr gefahren, aber meine schmerzhaften Kniegelenksbeschwerden machten dies unmöglich.